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Geschichte der Kuckucksuhr


Die Geschichte der Kuckucksuhren

Klassische Kuckucksuhren sind mechanische Wanduhren, ausgestattet mit Pendel, Kettenzug und Schlagwerk. Ihren Namen haben die Kuckucksuhren vom künstlichen Kuckuck, der sich im Gehäuse hinter einer kleinen Tür über dem Zifferblatt verbirgt.

Je nach Ausführung der Kuckucksuhr wird der Kuckuck zu jeder vollen und halben Stunde herausgeschwenkt und lässt seinen Ruf erschallen, einmal zur halben und mehrmals zur vollen Stunde, entsprechend der Anzahl der verflossenen Stunden und meist durch einen Gongschlag begleitet. Aufwendigere Kuckucksuhren, etwa mit zusätzlichem Wachtelruf oder weiteren beweglichen Dekorationen benötigen ein weiteres Schlagwerk und haben dann drei Kettenzüge.

Selbst im 21. Jahrhundert liegen die Anfänge der Geschichte der Kuckucksuhren noch weitgehend im Dunkeln. Der Augsburger Kaufmann Philipp Hainhofer erwähnte in einem Bericht von seiner Reise nach Dresden 1629 zum ersten Mal eine Kuckucksuhr und prägte somit wohl den Begriff. Er hatte eine derartige Uhr in der Sammlung des Kurfürsten August von Sachsen gesehen. Athanasius Kircher beschrieb 1650 in dem weit verbreiteten zeitgenössischem technisch-musikalischem Handbuch Musurgia Universalis eine automatische Orgel, die neben anderen Figuren auch einen mechanischen Kuckuck enthielt, der seinen Schnabel öffnen sowie Flügel und Schwanz bewegen konnte. Sein Kuckucksruf wurde durch zwei aufeinander abgestimmte Orgelpfeifen erzeugt.

Der italienische Architekt Dominico Martinelli machte in seinem Buch Horologi Elementari 1669 den Vorschlag, den Ruf des Kuckucks alternativ zum Gong für die Anzeige der Stunden in einer Uhr zu verwenden. Das könnte die Geburtsstunde der Kuckucksuhr gewesen sein, denn offenbar beherrschte man zu dieser Zeit bereits die Herstellung deren Mechanik.

Wann die erste Kuckucksuhr im Schwarzwald entstand, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Mehrere Orte wollen Heimat der Kuckucksuhr gewesen sein, aber es gibt keine eindeutigen historischen Belege dafür. Wahrscheinlich wurden die ersten Kuckucksuhren gar nicht dort gebaut. Denkbar wäre, dass Schwarzwälder Uhrenträger in Böhmen die Kuckucksuhren entdeckten und sie in den Schwarzwald mitbrachten.

Weit verbreitet ist die Vorstellung, dass die verschiedenen Kuckucksuhren mit reich verzierten Schnitzereien in langen Wintermonaten auf verschneiten Höfen mit Erfindungsreichtum und viel Geschick handwerklich gefertigt wurden. Allerdings hat dieses Klischee mit der Wirklichkeit wenig gemein, denn schon immer wurden Kuckucksuhren nicht in häuslicher Handarbeit, sondern in kleinen Werkstätten hergestellt. Im Laufe des Sommers verkauften dann die Schwarzwälder Uhrenhändler die Uhren in ganz Europa.

Wurden die frühen Schwarzwälder Kuckucksuhrwerke noch hauptsächlich aus Holz gebaut, ersetzten später Eisen und Messing alle Holzbestandteile des Uhrwerks. Die Erfindung neuer Werkzeuge wie Spiralbohrer und Zahnstuhl sowie die langsame Einführung einer Arbeitsteilung verringerten den Zeitbedarf für die Herstellung einer Kuckucksuhr erheblich. Während in der Anfangszeit ein Uhrmacher etwa eine Woche dafür benötigte, konnten um 1870 zwei Personen bereits zehn derartige Uhren in der gleichen Zeit herstellen. Nach und nach entstanden große Uhrenfabriken und lösten die kleinen Handwerksbetriebe ab.

Die heute bekannte Form der Kuckucksuhr, die Bahnhäusle-Uhr, geht auf einen Wettbewerb für die Gestaltung eines zeitgemäßen Uhrendesigns zurück. Robert Gerwig, Direktor der Großherzoglich Badischen Uhrmacherschule in Furwangen, hatte ihn 1850 ausgerufen. Diesen Wettbewerb gewann Friedrich Eisenlohr, Architekt und Erbauer etlicher Bahnhofsgebäude der badischen Staatseisenbahn. Er brachte seine Vorstellungen von der Architektur der Bahngebäude ein und gestaltete die Kuckucksuhr als Fassade eines Bahnwärterhäuschens mit Zifferblatt. Die weitere Entwicklung ab 1860 bestimmte dann mit aufwendigen Tier- und Pflanzenschnitzereien, Gewichten in Tannenzapfenform sowie geschnitzten Beinzeigern das noch heute übliche Bild der überall auf der Welt als Souvenir und Wahrzeichen des Schwarzwaldes beliebten Kuckucksuhr, die insbesondere in Amerika auch als Symbol Deutschlands gilt.